Integriertes Mobilitätskonzept Sendenhorst

Im November 2021 wurde mit der Erstellung des Integrierten Mobilitätskonzeptes (IMK) begonnen. Nach intensiver Datenerhebung und Beteiligung der Bürgerschaft, der Politik und Träger öffentlicher Belange wurde das Konzept im Dezember 2023 vom Rat der Stadt Sendenhorst beschlossen.

Aus der regen Beteiligung der Bevölkerung an dem Erarbeitungsprozess wie auch aus den konkreten Aussagen und Meinungen, die dokumentiert wurden, geht hervor, dass das Thema Mobilität viele Menschen bewegt. Viele Menschen wünschen sich Veränderungen in diesem Handlungsfeld und halten Maßnahmen, die die Situation verbessern, für sinnvoll. Gründe dafür sind neben einem wichtigen Beitrag zu städtischen (vgl. Integriertes Klimaschutzkonzept von 2016) und nationalen klimapolitischen Zielen auch die Reduktion von Barrieren im öffentlichen Raum, die Verbesserung der Infrastruktur für alle Verkehrsarten sowie Anpassungen für die Mobilität der Zukunft.

Das vorliegende Integrierte Mobilitätskonzept der Stadt Sendenhorst umfasst mehrere Dokumente. Das Herzstück des Konzeptes ist das Umsetzungskonzept in Zusammenspiel mit den Werkzeugen und Maßnahmen. Das Konzept dient der Stadt nicht nur als Hilfsmittel, effektive Maßnahmen zur Stärkung des Umweltverbundes umzusetzen, sondern auch als Grundlage für die Beantragung von Fördermitteln und als Argumentation gegenüber Genehmigungsbehörden.

Übersicht der Dokumente:

  1. Grundlagen und Bestandsaufnahme:
    1. Raumstrukturanalyse
    2. Ortsteilprofil Albersloh
    3. Ortsteilprofil Sendenhorst
  2. Leitbild, Ziele und Handlungsfelder: der strategische Überbau des Konzepts
  3. Werkzeuge & Maßnahmen:
    1. Werkzeuge sind die Instrumente, die angewendet werden (Teil A),
    2. Maßnahmen sind konkrete erste Schritte in der Anwendung dieser Werkzeuge (Teil B)
  4. Umsetzung: Überblick darüber, in welcher Reihenfolge und Priorität die Werkzeuge und Maßnahmen angegangen werden sollten
  5. Evaluation: Hinweise dazu, wie die Wirksamkeit und der Fortschritt bei der Umsetzung überprüft werden kann
  6. Dokumentation:
    1. Beiratssitzungen: 1. Beirat, 2. Beirat, 3. Beirat
    2. Bürger:innen-Workshop
    3. Online-Umfrage

Sie können auch alle Dokumente auf einmal herunterladen: Download Zip-Datei. Hier erhalten Sie zusätzlich Karten, die in den anderen Dokumenten verwendet werden.

Die im Konzept erarbeiteten Werkzeuge und Maßnahmen lassen sich unterschiedlich leicht und schnell umsetzen. Viele davon benötigen intensive Planung, bevor mit der Umsetzung begonnen werden kann. Neben der Vorbereitung zukünftiger Maßnahmen ab 2025 basierend auf dem Umsetzungskonzept wurde beschlossen, bereits in 2024 mit den ersten Maßnahmen zu starten. Diese Maßnahmen müssen noch final verkehrsrechtlich abgeklärt werden und sollen zeitnah sichtbare Verbesserungen im Stadtgebiet erzielen.

Diese Start-Maßnahmen sind:


  1. Verkehrsberuhigung des Gebiets zwischen Nordtor und Westtor durch Beschränkung auf Anliegerverkehr, vor allem durch eine entsprechende Beschilderung (entsprechend Maßnahme 1)
  2. Errichtung einer Fuß- und Radwegeverbindung in Albersloh zwischen Bergkamp und Sendenhorster Straße sowie Aufwertung der Verbindung Bergkamp – Bergstraße. Damit sollen Synergien (Kosten, Arbeitsaufwand) in der Planung und Umsetzung erzielt werden. (entsprechend Maßnahme 7)
  3. Änderung der Vorfahrtsregelung für den Radverkehr in Sendenhorst an der Kreuzung Pfarrer-Brink-Straße mit dem Nord-Süd verlaufenden Fuß- und Radweg inkl. leichter baulicher Veränderung (Teil der Maßnahme 2)
  4. Änderung der Vorfahrtsregel für den Radverkehr an der Kreuzung Westtor/Brock L586/L851, wenn rechtlich möglich (Werkzeug 2.6 und Maßnahme 3)
  5. Umsetzung der ersten Fahrradstraßen (bzw. Fahrradzonen) in Albersloh und Sendenhorst (entsprechend Maßnahme 4)
  6. Errichtung von Fahrradstellplätzen an ÖPNV-Haltestellen (z.B. Südendamm) und öffentlichen Gebäuden (entsprechend Werkzeug 2.2 und 2.5 sowie Maßnahme 6)
  7. Ggf. weitere Maßnahmen aus den Vorschlägen des Fußverkehrschecks

Hinweise zur 1. Startmaßnahme: Die Auswirkungen – vor allem auf den Kreuzungsbereich Nordstraße/Schulstraße – sollen im Anschluss beobachtet werden. Bei einem positiven Befund bzw. bei einer Notwendigkeit sollen dann ggf. weitere bauliche Maßnahmen (z.B. Kissen-Elemente) umgesetzt werden. Darüber hinaus prüft die Verwaltung, ob die Einrichtung von Anwohnerparkzonen im Bereich Spithöverstraße, Mauritz, Mühlenweg und Karl-Wagenfeld-Straße ein geeignetes Instrument zur Verlagerung des Parkdrucks auf den Mitarbeiterparkplatz des St. Josef Stiftes ist. Begleitend soll stärker mit dem St. Josef Stift mit Blick auf ein betriebliches Mobilitätsmanagement und ein Parkleitsystem kooperiert werden.

Darüber hinaus wurde beschlossen, mit den Vorbereitungen der folgenden Maßnahmen zu beginnen:

  1. Maßnahmen, die direkt oder indirekt im Zusammenhang mit der Reaktivierung der WLE stehen (Verbindungsweg Mobilstation Albersloh mit Ludgerusstraße (aus Maßnahme 7), Abstellanlagen an ÖPNV-Haltestellen (aus Maßnahme 6), Verbesserungen und Anpassungen des ÖPNV (aus Maßnahme 9))
  2. Anpassungen am Westtor: Radverkehrsführung und Querungshilfen sowie Kreisverkehr an der Straße Im Holt (Maßnahme 3)
  3. Ortseingänge und Geschwindigkeitsdämpfung (Maßnahme 5)
  4. Weitere neue Verbindungen und Abkürzungsmöglichkeiten für Fuß- und Radverkehr (Maßnahme 7)
  5. Verbesserung des Übergangs des von Süden (Hagenholt) kommenden Radwegs entlang der L811 in den Stadtverkehr am Südtor auf Höhe der Einmündung Zum Helmbach.
  6. Umsetzung der Veloroute Sendenhorst – Albersloh – Münster eingebettet ins hierarchische Radverkehrsnetz und das entstehende Fahrradstraßen-Netz (Werkzeug 2.1, Maßnahmen 4 und 8)

Hinweis zu Punkt 2 der Maßnahmen in Vorbereitung: Die Planung des neuen Feuerwehrstandortes erfordert die Auseinandersetzung mit der Frage einer funktionierenden verkehrlichen Anbindung. Inwieweit ein Kreisverkehr hier zielführend ist, wird im Rahmen der Planung und in Abstimmung mit der Feuerwehrleitung erfolgen.

Zu berücksichtigen ist, dass die Stadt mit ihrer Beteiligung an der WLE Reaktivierung bereits ein großes Projekt zur Förderung des Umweltverbundes umsetzt, das höchste Priorität hat.

Darüber hinaus befinden sich weitere Maßnahmen, die den Zielen des IMK entsprechen, wie z.B. der Ausbau des Wirtschaftsweges Bispingweg (2024-014) mit einem eigenen Rad- und Fußweg sowie der Bau eines Radweges südlich des St. Josef-Stiftes („Südumgehung“ 2024-003) und der Radweg Sunger sowie der Radweg entlang der K 33 (Projekt des Kreises Warendorf) in der Planung.


Dokumentation des Erarbeitungsprozesses

Am 28.04.2020 hat der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt mit 13 ja-Stimmen beschlossen, ein Integriertes Mobilitätskonzept (IMK) erstellen zu lassen (Vorlage Nr. 1227/20, Niederschrift 0216/20).

Im Juni 2021 wurde der Auftrag an das Planungsbüro raumkom aus Trier vergeben. Ende 2021 wurde mit der Bestandaufnahme begonnen, im Januar 2022 fand eine Begehung vor Ort mit Verwaltungsangehörigen statt.

Es wurde ein Beirat gegründet dem Vertreter:innen der Politik, der Verwaltung, Träger öffentlicher Belange sowie aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft angehörten. Dieser traf sich zu drei Sitzungen, am 24.05.2022 (Sachstand Grundlagen und Vorbereitung online Fragebogen), am 27.09.2022 (Leitbilder, Handlungsfelder, Ziele) und am 28.09.2023 (Maßnahmen).

Im Zeitraum zwischen 23.05.2022 und 03.07.2022 hatten die Bürger:innen der Stadt Sendenhorst die Möglichkeit, an einer Umfrage teilzunehmen. Diese wurde von 1026 Personen genutzt, etwa 7,7% der Bevölkerung.

Zusätzlich erfolgte am 16.08.2022 ein Bürger:innenworkshop mit Fokus auf eine Bestandsaufnahme der Mobilität heute und der gewünschten Mobilität der Zukunft.

 

Was ist ein IMK und warum wird es erstellt?

Das Thema Mobilität und Verkehrswende rückt in der Öffentlichkeit immer mehr in den Fokus: CO2 Einsparungen für den Klimaschutz sind unumgänglich aber gerade im Verkehrsbereich haben sich CO2 Emissionen bisher nicht reduzieren lassen. Die autozentrierte Stadtplanung der letzten Jahrzehnte führt deutschlandweit weiterhin zu einer Zunahme von zugelassenen Kraftfahrzeugen – so auch in der Stadt Sendenhorst.

 

Daher braucht es eine umfassende Neuorganisation aller Verkehrssysteme und der Art, wie wir mit Mobilität umgehen, um die gesellschaftlichen Herausforderungen bewältigen zu können. Gerade auch der ländliche Raum ist sehr auf den PKW ausgerichtet und es bedarf innovativer Ideen und Visionen, um die Mobilität mit allen Verkehrsmitteln zu gestalten und die private PKW Nutzung teilweise überflüssig zu machen. Um diese Herausforderungen zu bewerkstelligen, wird für Sendenhorst ein Integriertes Mobilitätskonzept erstellt.

 

Ein Mobilitätsentwicklungskonzept ist also ein sehr umfassender Ansatz zur Neuausrichtung der Mobilität. Es geht auf grundsätzliche Fragen ein, wie zum Beispiel: Auf welche Weise wollen oder müssen wir uns in Zukunft bewegen? Wie können wir Verkehr klimafreundlicher abwickeln? Was kann jeder von uns dabei tun? Es soll aber auch Meinungen und Positionen der Bürgerinnen und Bürger einholen, diese aktivieren und motivieren und ihnen einen Weg für die Mobilität der Zukunft aufzeigen.

 

Dazu wird das Konzept verdeutlichen, welche Veränderungen es im Alltagsverkehr und bei der persönlichen Mobilität geben wird bzw. kann. Dabei sollen alle Verkehrsteilnehmenden und Verkehrsträger (Auto, ÖPNV, Rad, Fuß, Roller- und Motorrad, E-Scooter etc.) betrachtet werden und diese aufeinander abgestimmt werden. Kurzum das Konzept wird mittel- bis langfristig Wege zur Mobilität von Morgen in der Stadt Sendenhorst aufzeigen. Dabei kann es sicher nicht alle relevanten Details für die Zukunft bereits schon jetzt beinhalten, aber es wird stets eine gute Grundlage für die Entwicklung des zukünftigen Gesamtsystems Mobilität sein.

 

Das Ziel des Projekts ist also, Leitlinien, Programme und Maßnahmen für eine umweltfreundliche Mobilität zu entwickeln und gleichzeitig die Bedürfnisse der Bevölkerung der Stadt Sendenhorst im Blick zu halten.

 

Die Rückschau auf den Bevölkerungsworkshop

Am 16.08.2022 wurde der Bevölkerungsworkshop im Rahmen des IMK Sendenhorsts in der Realschule St. Martin durchgeführt. Drei Stunden lang arbeiteten 20 Bürger*innen gemeinsam am Thema Mobilität. Die Veranstaltung wurde von Herrn Dr. Christian Muschwitz vom Büro raumkom aus Trier moderiert. In mehreren Arbeitsphasen ging es unter anderem um den Status quo der Mobilität in Sendenhorst und Albersloh – was ist gut, was wird als problematisch betrachtet? Wo gibt es welche Problemlagen? Die Antworten der Bürger*innen wurden thematisch gruppiert und dokumentiert – ein wertvoller Input für das Konzept.

Die darauf aufbauenden Arbeitsphasen richteten den Blick in die Zukunft – wie sieht die Mobilität der Zukunft in Sendenhorst aus? Welche unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse werden bestehen? Und wie können diese, vor dem Hintergrund von CO2-Einsparzielen, befriedigt werden? Wie können wir den gleichen Grad an Mobilität in der Zukunft erreichen, ohne auf fossile Brennstoffe angewiesen zu sein? Wie kann der Straßenraum so umstrukturiert werden, dass alle Verkehrsteilnehmer sicher und komfortabel unterwegs sind? Große Fragen, die einer Vision bedürfen, um adäquat beantwortet werden zu können.

Schnell wurde im Workshop klar, dass Teil dieser Vision ein Fuß- und Radverkehr ist, der dem Sicherheitsbedürfnis der Bürgerinnen und Bürger entspricht. Wie sich auch bereits in der Online-Umfrage herausgestellt hatte, betehen seitens der Bevölkerung große Erwartungen an einem adäquaten Ausbau der Infrastruktur für den Rad- und Fußverkehr, um sich auf einen Umstieg vom privaten PKW auf andere Alternativen einzulassen. So gibt es einen Rückhalt in der Sendenhorster Bevölkerung, den Anteil an einer PKW-Nutzung verringern.

Visionen sind notwendig und gut, der Weg dorthin ist komplex. Dementsprechend wurde nach der Vision der Fokus auf das „Was und wie?“ gelegte. Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um den angestrebten Zustand zu erreichen. Die Teilnehmenden arbeiteten intensiv unter der Anleitung von Herr Dr. Muschwitz und am Ende konnten viele Ideen, Perspektiven und Meinungen der Bürger*innen aufgedeckt, erkannt und dokumentiert werden.

Im nächsten Schritt wird im Beirat zum IMK Sendenhorst auf der Fachebene die bisherigen Erkenntnisse und Ergebnisse diskutiert. Auch hier werden die Teilnehmenden aktiv zu den Themen Leitbild, Ziele und Handlungsfelder des IMKs in einem interaktiven Format arbeiten. Wir informieren Sie im Nachgang des Beiratstermin am 27.09.2022 über dessen Ergebnisse wie gewohnt an dieser Stelle.