Das Sendenhorster Rathaus

Die Geschichte des Sendenhorster Rathaus

Unmittelbar in der Stadtmitte, in der östlichen Verlängerung des Langhauses der Katholischen Pfarrkirche St. Martin, an der Kirchstraße, befindet sich im Herbst des Jahres 2011 seit nunmehr 100 Jahren das Rathaus der Stadt Sendenhorst. Der Vorgängerbau des heutigen Rathauses befand sich Anfang 1911 ebenfalls rd. 100 Jahre an gleicher Stelle.  In der Stadtverordnetenversammlung am 3. Mai 1910 wurde der Neubau des Rathauses in Verbindung mit der Einrichtung eines Spritzenhauses und Arrestlokals erstmals zur Diskussion gestellt. Der damalige Bürgermeister Hetkamp war es, der am 7. Juni 1910 den Stadtverordneten die Pläne für einen Neubau des Rathauses vorgelegt hat. Die Planung einschließlich Zeichnungen, Ausschreibung, Bauleitung und Abrechnung wurden vom Architekten Georg Diening aus dem nahen Münster übernommen. Dass dieses Vorhaben nicht unumstritten war, zeigt allein die Tatsache, dass in nicht weniger als 39 Sitzungen über den Neubau und dessen Finanzierung debattiert wurde. So wurde z. B. in der Sitzung am 23.12.1910 u. a. beschlossen, dass die Baupläne vom Verein für Heimatschutz in Münster begutachtet werden sollten. Zudem merkt Bürgermeister Hetkamp in dieser Sitzung an, dass er es bedaure, keinen separaten Eingang zu seiner Wohnung im Rathaus zu erhalten.

Das Gebäude wird in allen Teilen massiv errichtet u. zwar Fundament- Keller- u. aufgehendes Mauerwerk der Umfassungsmauern in Ziegelsteinen. Die inneren Fachwände werden teils mit Schwemmsteinen, teils mit Ziegelsteinen ausgemauert. Ausserdem sind noch für die übrigen Scheidewände Cementplatten vorgesehen. Die Kellerdecke besteht aus Schlackenbeton zwischen T – Trägern, die übrigen Decken sind ortsübliche Holzbalkendecken mit Zwischendecken. Der Kellerfussboden besteht aus Cementbeton. Für die Wohnräume daselbst ist Holzfussboden auf Unterlagen vorgesehen. Für die Erdgeschoss - Räume wird Steinholz – Fussboden verwendet. Das Obergeschoss erhält Holzfussboden. Sämtl. Wandflächen werden in Kalkmörtel glatt verputzt. Wie aus beiliegenden Zeichnungen ersichtlich ist, sollen beide Hauptansichten des Gebäudes in Lithin oder Terranova verputzt u. architektonisch ausgebildet werden. Das Dach in solider Holzkonstruktion errichtet, wird mit naturroten Ziegeln eingedeckt.“

 

Zum Bauantrag erklärte der Landrat des Kreises Beckum am 22. April 1911:

„In Abweichung von den Bestimmungen des § 19 der Baupolizeiverordnung für das platte Land genehmige ich, dass der Neubau des Rathauses direkt auf der östlichen Grenze errichtet wird unter der Bedingung, dass das Türmchen und die auf der Zeichnung der Vorderansicht rot gekreuzten Flächen in Fortfall kommen.“ Zudem gab es noch einige Vorgaben hinsichtlich der Errichtung der Abortanlagen mit Wasserspülung.

Die innere und auch äußere Gestaltung des Hauses in einfacher und dennoch monumentaler Form entsprach dem Stil der damaligen Zeit. Die bunten Fenster im Sitzungssaal und früher auch im Treppenhaus lieferte die Firma Lange aus Münster. Im Herbst 1911 war der Bau fertiggestellt und wurde seiner Bestimmung übergeben. Der Kostenaufwand für den Neubau betrug 55.000 Mark. Aus Sparsamkeitsgründen wurde von einer öffentlichen Feier Abstand genommen.

Nach Fertigstellung des Neubaus folgten zunächst einige Friedensjahre bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges, an dessen Ende der Zusammenbruch des Kaiserreiches stand. Danach hatte das Rathaus die politischen Wirren der zwanziger und dreißiger Jahre und die anschließende Willkürherrschaft im 3. Reich zu überstehen. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges waren es zunächst amerikanische und später belgische Besatzungen, die in Sendenhorst „regierten“.

Über viele Jahre wohnte der Bürgermeister und im Anschluss der Stadtdirektor im oberen Geschoss des Gebäudes in dem sich auch heute noch der Sitzungssaal befindet. Im Dachgeschoss wurde später eine weitere Wohnung geschaffen. Im Kellergeschoss waren ursprünglich die örtliche Polizeidienststelle und die örtliche Dienststelle des Kreisgesundheitsamtes untergebracht.

Heute noch erhalten ist der Sitzungssaal des Rathauses. Zum Sitzungssaal selbst, aber auch zu anderen Details des neuen Rathauses gab es aber auch kritische Stimmen aus der Bürgerschaft. Im Laufe der Zeit ist das Rathaus mehrfach umgebaut und modernisiert worden. So wurden in den Jahren 1950/51 die Räumlichkeiten der Sparkasse durch eine teilweise Überbauung des Hofraumes erweitert. Insbesondere in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat es dann massive Veränderungen im Innern des Rathauses gegeben. Mit dem Einbau einer Aufzuganlage wurden vom Keller- bis zum Dachgeschoss Büroräume eingerichtet, um den Anforderungen an eine moderne und zeitgemäße Verwaltung gerecht werden zu können. Im Zuge dieser Umbaumaßnahmen hat das Rathaus auf nahezu allen Etagen viel von seinem ursprünglichen Charme verloren, da die historischen Raumaufteilung und -nutzung den jeweils aktuellen Bedarfen geopfert werden musste. Heute sind im Rathaus selbst rd. 30 Büroräume vorhanden in denen zusammen mit Räumlichkeiten in den benachbarten Gebäuden rd. 50 Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter untergebracht sind.