Skaten lernen auf Augenhöhe

Sendenhorst - Die Sommerferien stehen vor der Tür. In Sendenhorst sollten sich die Jugendlichen dazu schon zwei Termine vormerken. Denn am 12. und 13. August lädt das Team von „Skate-aid“ zu zwei besonderen Workshop-Tagen ein.

„Einfach mal auf die Klappe fallen. Wieder aufstehen und weitermachen. Das fördert die Resilienz und das Selbstvertrauen.“ Henning Timmes brauchte nicht viele Worte, um das Projektziel auf den berühmten Punkt zu bringen.

Gleichwohl hatte er natürlich weitere Erläuterungen parat, um zu erklären, was „Skate-aid“ letztendlich besonders und zu einem wahren Publikumsrenner macht. Im August macht das Skateboard-Team auch in Sendenhorst Station. Und Stadt, Jugendwerk, Montessori-Schule und Stadtwerke Ostmünsterland, die das Projekt finanziell möglich machen, rechnen mit zahlreichen Jugendlichen, die sich erstmals auf dem Rollenbrett versuchen oder ihre Fähigkeiten noch weiter verbessern möchten.

Wichtig, erklärt Henning Timmes, sei dabei vor allem ein Aspekt: Es gibt keine Regeln, keinen festen Trainingsplan und vor allem keinen Zwang. Auch wenn die „Coaches“ viel Erfahrung mitbringen, werde im Workshop ausdrücklich auf eine Kommunikation auf Augenhöhe gesetzt. Alles andere geschehe ganz nach Lust, Laune und persönlichen Interessen.

Ins Leben gerufen wurde „Skate-aid“ im Jahr 2009 von der Münsteraner Skateboard-Legende Titus Dittmann. Nach vielen erfolgreichen Jahren hatte er es sich zum Ziel gesetzt, noch etwas Nachhaltiges auf die Beine zu stellen - und das zunächst vor allem für Kinder und Jugendliche in den benachteiligten Regionen dieser Welt. Nach einem ersten Skate-Board-Projekt in Afghanistan folgten weitere in Syrien, Palästina, dem Sudan, Nepal, Indien bis hin nach Südafrika, Brasilien und Costa Rica. In insgesamt 17 Ländern waren die „Skate-aid“- Mitarbeiter seitdem im Einsatz, um Entwicklungshilfe der anderen Art zu leisten.

 

Lernen in selbstbestimmten Freiräumen

Inhaltlich geht es dabei vor allem um Aspekte wie Zugehörigkeit, Anerkennung, Wertschätzung und Selbstverwirklichung. Das Skateboard soll diesbezüglich helfen, in selbstbestimmten Freiräumen zu lernen, sich selbst zu motivieren. Ein Ziel, das „Skate-aid“ mittierweile nicht nur in Krisengebieten verfolgt. Denn wie Gründer Titus Dittmann in einem Magazinbeitrag darlegt, habe sich in Deutschland die Zahl der Kinder unter 15 Jahren, die wegen Depressionen behandelt werden, allein zwischen 2000 und 2015 verzehnfacht. Hinzu kommen immer mehr Jugendliche mit Angstzuständen, Schlafstörungen oder Niedergeschlagenheit sowie dem Gefühl schulischer Überforderung.

„In unserer westlichen Zivilisation fehlt inzwischen vielen Kindern eine Work-Life-Balance‘“, so Dittmann. Es mangele vor allem an „erwachsenenfreien“ Räumen und Zeiten, in denen Kinder sich selbstbestimmt verwirklichen und selbstbestimmt lernen können. „Und zwar das, worauf sie Bock haben“, erklärt Dittmann. Und genau dort komme eben das Skateboard ins Spiel. „Skateboardfahren verändert einen jungen Menschen. Wen es packt, der bleibt nicht derselbe“, ist Dittmann überzeugt.

 

Jugendwerk lobt Projektansatz

Die Stadtwerke Ostmünsterland als Sponsor habe dieser Ansatz voll und ganz überzeugt. „‚Wir möchten unseren Teilhaber-Kommunen etwas zurückgeben“, erklärte Geschäftsführer Rolf Berlemann, weshalb man das Projekt in allen sechs Stadtwerke-Städten unterstütze. Außerdem, ergänzte Julian Michels als Vorsitzender des Sendenhorster Jugendwerks, passe die Projektidee perfekt zum Ansatz der örtlichen Jugendarbeit, in der man bekanntlich seit langem auf „offene Türen” in den Jugendtreffs und auf Kommunikation auf Augenhöhe setze. „Das Konzept ist wirklich gut - und schon anders als ein Fußballcamp”“, sagte Michels. Das sieht auch Bürgermeisterin Katrin Reuscher so, die sich zudem darüber freut, dass die Montessori-Schule mit Leiter Dirk Lenze die schlichtweg optimale Location für den Skate-Workshop bieten kann.

 

„Wir wollen einfach eine gute Zeit haben.“

Starten wird das Projekt „Skateboarding als Werkzeug für Empowerment“ im Rahmen des Sommerferienprogramms am 12. und 13. August (Dienstag/Mittwoch) jeweils von 10 bis 15 Uhr auf dem Schulhof der Montessori-Schule. Mitzubringen sind Sportzeug und Helm. Die Teilnahme ist kostenlos. Für Verpflegung ist gesorgt. Skateboards und Schutzausrüstung können mitgebracht werden, sind ansonsten aber auch vorhanden. Die Teilnehmerzahl ist pro Workshop-Tag auf maximal 35 Personen beschränkt. Anmeldungen sind ab sofort über das Jugendwerk unter juz.hotspot(at)tmx.de oder bei Veronika Gries von der Stadtverwaltung unter gries(at)sendenhorst.de möglich. Bei Regen wird in die Sporthalle ausgewichen.

Jeschke, Dietmar. (2025). Workshop im Rahmen des Ferienprogramms. WN.de. https://www.wn.de/muensterland/kreis-warendorf/sendenhorst/skaten-lernen-auf-augenhoehe-3340983?pid=true&ueg=default.